Zeitungsartikel mit Fehlinformationen 3

Liebe Freunde und Unterstützer des Vereins,

am 9. August, kurz nach dem Erscheinen des irreführenden Artikels im Münchner Merkur, erreichte mich folgende E-Mail einer mitfühlenden Leserin, Frau Dr. S.:

Ein Bericht aus dem Münchner Merkur von heute erzürnt mich so, dass ich Ihnen schreiben muss. Ich bin erschüttert über die Herzlosigkeit der Hundetrainerin, die dem todkranken Jungen seinen letzten Wunsch nicht erfüllt hat, einen der Assistenzhunde bei sich zu haben.
Sie sorgte sich um das Tierwohl?!?
Das sollte sie auch tun und ich tue das gleiche bei allen Tieren die unter der Obhut dieser Trainerin stehen!!!!
Lieblose und unmenschliche Trainer können gar nicht beurteilen was für ein Tier am besten ist und sollten in keiner Weise unterstützt werden.
Der Junge war zu schwach für den Hund?
Nein. Diese Trainerin ist zu charakterschwach um Tiere zu führen und um Menschen zu dienen.
Ich würde Ihnen empfehlen, sich von ihr zu trennen.

Gruss
Dr. S

Ich habe sie in meiner Antwort darauf aufmerksam gemacht, dass Zeitungen nicht immer mit aller Kraft an der Wahrheit hängen und ihr den Verlauf der Dinge kurz und sachlich dargestellt. Hier meine Antwort:

Sehr geehrte Frau Dr. S

Frau L. kam auf unsere Hundetrainerin zu als Jan gerade eine Krebsbehandlung abgeschlossen hatte und die Prognose laut seiner Mutter gut war. Maja war zu diesem Zeitpunkt bereits seit eineinhalb Jahren in Ausbildung. Da die Prognose gut war, haben Mutter und Trainerin sofort mit der Teamausbildung von Jan und Maja begonnen. Alles auf Risiko der Hundetrainerin, da Frau L. nicht in der Lage war den Hund zu finanzieren. Hier kommt der Verein ins Spiel. Der Verein hilft Bedürftigen beim Spendensammeln durch Rat und Tat und auch durch unsere Internetseiten. Die Spenden nehmen wir zweckgebunden ein, damit die Spender die Sicherheit haben, dass ihr Geld nicht für andere Dinge verwendet werden kann. Frau L. hat daraufhin in ihrem Bekannten- und Freundeskreis Spenden eingeworben.
Da Jan jedoch entgegen der Prognose nicht geheilt war, sondern recht bald nach Trainingsbeginn wieder in die Chemo- und Strahlentherapie musste, konnte auch nicht mehr trainiert werden. Deshalb ist auch noch das gesamte Spendengeld beim Verein!
Hierzu muss man wissen, dass es nicht einfach ist einen Assistenzhund zu trainieren oder zu bekommen. Man muss den Hund führen und belohnen können. Jan war dazu während und auch nach der Therapie nicht in der Lage.
Ein Assistenzhund hat in so einem Fall keinen Sinn. Das ist ein aktiver Hund, der tätig sein will. Neben einem apathischen oder schlafenden Menschen, der terapiebedingt kaum zur Interaktion fähig ist, wird so ein Hund unzufrieden und hippelig. Hier wäre vielleicht ein Therapiehund möglich gewesen. Der Verein hat angeboten sich darum zu kümmern, was aber nicht gewünscht wurde.
Nachdem hier offensichtlich ein Interessenkonflikt zwischen der Mutter und dem Hund bestand, habe ich einen Gesprächstermin Anfang Januar angeregt, bei dem Frau L., ihr Lebensgefährte, eine Palliativbetreuerin, der Vereinsvorstand und die Hundetrainer teilgenommen haben. Nach dreistündiger Diskussion hatten wir uns alle gemeinsam darauf geeinigt, dass es nicht sinnvoll ist Maja dauerhaft zu Jan zu geben, da er sowieso nichts davon hat, weil er nur ein paar Stunden am Tag überhaupt wach ist. Wir haben auch vereinbart, dass in diesen wachen Stunden eine Hundetrainerin mit Maja auf Wunsch zu Besuch kommt. Das wollte Frau L. jedoch nicht und auch sonst kein Verwandter. Man muss bedenken, dass Jan vier Wochen nach diesem Treffen verstorben ist.
Nach meiner Kenntnis von Krebstherapie kommt Appetitlosigkeit in diesem Rahmen durchaus vor. Es kann also nicht am „Hundeentzug“ gelegen haben, sonst hätte Jans Familie den Hund ja angefordert.
Nachdem der arme Bub verstorben war (8. Februar) hat die Familie dem Verein nicht Bescheid gegeben. Ich habe davon erst Ende Februar erfahren. Auch hat Frau L. nicht verlangt die Spendenseite von Jan aus dem Internet zu nehmen. Das habe ich getan, nachdem ich den Sachverhalt kannte, weil das eine Täuschung eventueller Spender wäre.
Übrigens, der Assistenzhund Maja ist jetzt bei einem Menschen, der mit einem offenen Rücken geboren wurde und fast blind ist. Ihm wurden drei Lendenwirbel versteift, dadurch sitzt er nun dauerhaft im Rollstuhl. Maja erleichtert das Leben von Dennis erheblich und befördert auch seinen Seelenzustand. Es wäre doch eine Schande, wenn Maja kein Assistenzhund geblieben wäre.

Ein Assistenzhund wird zwei Jahre lang ausgebildet bis er das leisen kann, was einem Menschen wie Dennis Hoffnung und Erleichterung bringt. Danach muss er ständig weiter trainiert werden. Das kosten viel Geld. Das Geld dient der Ernährung, der medizinischen Versorgung und der Erziehung des Hundes und nicht der Bereicherung.
Wenn Maja als Assistenzhund von vielen, vielen Spendern in Höhe von 25000 Euro ausgebildet worden wäre, nur um dann bei Frau L. als Familienhund das Stöckchen zu holen, wären die Spender zurecht sauer.
Der Verein muss, das ist bei uns Gesetz, zweckgebundene Spenden auf Wunsch des Spenders zurückgeben oder auch auf Wunsch des Spenders einem anderen Zweck zuführen. Und genau das ist der Grund warum ich als Vorstand die Spenden nicht einfach pauschal zurückschicken kann. Es könnte nämlich einen Spender geben, der seine Spende nicht zurück haben will, sondern die Spende umwidmet. Da ich als Vorstand dem Verein nicht schaden darf, muss ich die Spenden behalten bis sich die Spender geäußert haben oder bis sich die Mitgliederversammlung entschließt auf die Spenden pauschal zu verzichten. Leider sind viele Juristen in diesen Einzelheiten des Vereinsrechts eher dürftig informiert.
Man darf die Spenden übrigens auch nicht für andere Zwecke einsetzen!
Die Vereinsmitglieder, die laut dem Artikel wegen der Spendenpraxis ausgetreten sind, sind komischerweise genau dann ausgetreten, als ich das den Mitgliedern erklärt habe.

Falls Sie das jetzt alles gelesen haben, wird Ihnen klar sein, dass wir keine Gegendarstellung veröffentlichen werden. Die meisten Menschen würden so eine Darstellung nämlich nicht lesen, weil sie lang und langweilig ist und auch traurig. Da lies man doch lieber einen reißerischen Artikel mit bösen Verbrechern und armen Opfern.
Und genau deshalb wurde der Artikel auch so geschrieben!
Die schlichte Wahrheit verkauft sich einfach nicht.
Übrigens, das ist nur eine kurze Fassung der Geschichte, die sicher noch Fragen offen lässt. Aber stellen Sie sich selbst die Frage, ob Menschen sich wirklich zusammenfinden, eine Menge unbezahlter, ehrenamtlicher Arbeit leisten, nur um dann den eigentlichen Zweck ihres Engagements mit Füßen zu treten und einen armen Jungen zu quälen.
 
mit freundlichen Grüßen
Dr. Martin Heilingbrunner
1. Vorstand
Assistenz- und Servicehunde in Bayern e. V.

Frau Dr. S. hat meine langen Ausführungen tatsächlich ganz gelesen und mir daraufhin folgendes geantwortet:

Sehr geehrter Herr Heilingbrunner,

danke, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, mir diesen Brief zu schreiben.
Natürlich bleiben Fragen und der Gedanke, ob man nicht anders hätte mit der Situation umgehen können, doch letztlich kann es ein Außenstehender nicht beurteilen. Dennoch haben Sie recht mit dem was Sie als Fazit schreiben – es würde wohl keinen Sinn machen, das Ziel der eigenen Arbeit so mit Füßen zu treten.
Und genau das – und Ihr Engagement mir zu schreiben, zeigt mir, dass Sie Werte haben, denen Sie folgen und die nichts mit finanziellen Interessen oder sonstigen oberflächlichen Motiven zu tun haben, die mit Ihrer Arbeit verbunden sind.
Ich finde es wichtig, dass nicht nur mein Bild der Angelegenheit richtig gestellt wird, sondern dass auch andere Menschen Gelegenheit bekommen, das Ganze besser zu verstehen.
Sie haben das Recht, eine Gegendarstellung zu veröffentlichen – und die Zeitung hat die Pflicht (!), diese zu drucken. Veröffentlichen Sie doch Ihren Brief an mich. Genau so, wie Sie ihn mir geschrieben haben. Gerne können Sie auch meinen Namen mit nennen, wenn Sie möchten. Wenn Sie Ihre Argumente nicht darstellen, wird die Öffentlichkeit sie nicht erfahren und das fände ich schlimm.
Ich glaube, dass es viele Menschen gibt, die den Wunsch haben, das ganze Bild zu sehen. Und vor allem zu erfahren, dass es Ihnen nicht egal ist wie man über den Verein denkt, ich halte das für sehr wichtig, beziehungsweise für das Allerwichtigste in diesem Zusammenhang!!!

Übrigens: ich war vor 20 Jahren auch einmal Journalistin – und ja, ich kann bestätigen, dass es einseitige Berichterstattung gibt. Aber ich kann auch bestätigen, dass es Journalisten gibt, die sich bemühen, immer beide Seiten zu Wort kommen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen
Barbara S.

Ich hoffe, dieser Briefwechsel hilft auch anderen Lesern dieser Zeitung endlich gut informiert zu werden.