Zeitungsartikel mit Fehlinformationen 1

Liebe Freunde und Unterstützer des Vereins,

in den letzten Tagen ist in verschiedenen Zeitungen des Münchner Merkur ein Artikel über den Verein und unser leider verstorbenes Mitglied Jan erschienen. Viele Leser fanden den Artikel reißerisch und die vermittelten Inhalte unglaubwürdig. Um Ihnen die eigene Einschätzung der Sachlage zu ermöglichen werden wir ein paar Klarstellungen hierzu veröffentlichen. Heute zunächst einmal die Fragen der Schreiberin des Artikels an den Verein und meine Antworten darauf. Diese Antworten hat sie vor der Vollendung des Artikels erhalten.

Die Fragen sind nummeriert und fett gedruckt, darauf folgt eine kurze Antwort und eine Erläuterung dieser Antwort.

Hier nun meine E-Mail an die Schreiberin:

——————————– Beginn der E-Mail v. 02.08.2018 ——–

Sehr geehrte Frau Borst,

zu Ihren Fragen:

1. Wer hat die Entscheidung getroffen, dass der Hund  Jan nicht übergeben wird? Frau Stadler oder der Verein?
Antwort:

Weder noch.

Erklärung:

Am 02. 01.2018 haben sich unsere Hundetrainerinnen, zwei Mitglieder des Vorstands, unser Mitglied Renate L., ihr Lebensgefährte und die Palliativbetreuerin von Jan L. getroffen, um das weitere Vorgehen in Bezug auf den Assistenzhund Maja zu besprechen. Wir konnten nach einer ca. dreistündigen Diskussion einen Konsens erzielen, dem alle sieben Teilnehmer zugestimmt haben.
Unser Übereinstimmen bezog sich auf folgende Aussagen:

  1. Jan kann aufgrund seiner Krankheit keinen Assistenzhund führen, auch deshalb, weil er wegen seiner Medikation nur wenige Stunden am Tag wach ist.
  2. Ein Therapiehund, der prinzipiell in seinem Fall geeigneter wäre, kommt nicht in Frage, weil er ihm fremd wäre.
  3. Maja ständig bei Jan zu belassen, würde dem Hund schaden, da Hunde auf extrem belastende Situationen oft mit Krankheit reagieren.
  4. Maja als Therapiehund oder Familienhund einzusetzen ist angesichts ihrer hervorragenden Eignung und Ausbildung als Assistenzhund nicht möglich, da Therapie- und Familienhunde gänzlich andere Anforderungen erfüllen müssen.
  5. Maja kann stattdessen zeitweise in Begleitung eines Hundetrainers Jan in seinen wachen Phasen besuchen.
  6. Sobald sich der Gesundheitszustand von Jan wieder bessert, wird die Teamausbildung von Jan und Maja erneut begonnen.
2. Wann wussten Sie davon, dass der Hund nicht zu Jan kommt. Wann wurde es der Familie mitgeteilt.
Antwort:

Ich wusste, dass Maja und Jan kein Team bleiben werden, als ich Ende Februar 2018 (ca. 27.2) von Jans Tod erfahren habe. Die Familie wusste das vermutlich bereits früher, hier kann ich jedoch nur spekulieren.

Erklärung:

Jan ist am 07.02.2018 verstorben, was wir anderen Vereinsmitglieder allerdings erst später erfahren haben. Der Vorstand hat in Absprache mit unserer ersten Hundetrainerin am 09.02.2018 eine außerordentliche Mitgliederversammlung abgehalten. Diese diente dazu die Mitglieder über Jans Situation zu informieren und die Reaktion des Vereins darauf zu erläutern und ggf. hierzu Beschlüsse zu fassen. Eine enge Freundin von Frau L. nahm, nach Zustimmung der Mitglieder, an der Versammlung teil, um sich über den Verein und den Umgang mit den Spenden für Jan zu informieren. Leider hat sie uns den Tod von Jan verschwiegen, sonst hätten wir die vollständige Rückzahlung der Spenden ohne Befragung der Spender gleich beschließen können. Wie ich Ihnen telefonisch erläutert habe, ist das dem Vorstand ohne Mitgliederbeschluss nicht möglich.

3. Wie lange hat der Verein noch Spenden gesammelt?
Antwort:

Der Verein hat für Jan keine Spenden gesammelt. Der Verein hat Frau L. beim Spendensammeln unterstützt.

Erklärung:

Die Mitglieder des Vereins, die zur Ausbildung ihrer Hunde Spenden benötigen, betreiben selbst, mit Unterstützung des Vereins und ihres Umfeldes Spendenwerbung. Der Verein betreibt einen Internetauftritt und stellt den Mitgliedern die Möglichkeit der Spendenwerbung im Rahmen einer persönlichen Internetseite zur Verfügung. Die Inhalte dieser Seiten werden mit Unterstützung des Vereins von den Spendensammlern selbst erstellt und gepflegt. Über andere Möglichkeiten Spenden zur erhalten, informieren erfahrenere Mitglieder die Neuen.
Wir haben bereits sehr früh in der Vereinsgeschichte festgestellt, dass Spender genau wissen wollen „wo ihre Spende landet“. Wir haben deshalb auf das Instrument der zweckgebundenen Spende gesetzt. Die Zweckgebundenheit stellt die rechtliche Bindung einer Spende an einen Zweck her. Falls der Spendenzweck erlischt, muss der Spender erneut befragt werden, ob er die Spende rückerstattet bekommen will oder ob er den Spendenzweck ändern will.
Das ist für den Spender, wie auch für den Spendensammler gleichermaßen von Vorteil. Einerseits hat der Spender die größtmögliche Sicherheit bezüglich der Verwendung seiner Spende, andererseits wird der Spendensammler für seine Mühe belohnt.
Jans Internetseite habe ich auf unsichtbar gestellt, sobald mir sein Tod bekannt wurde.

4. Der Richter Jürgen Hanreich sagte mir, er habe Sie am 25. Januar angerufen. Sie hätten gesagt, Frau L. bräuchte nur anzurufen, man würde den Hund gegebenenfalls täglich zu Jan bringen. Das geschah aber nicht. Warum? Hat Frau L. nicht mehr angerufen?
Antwort:

Ihre Vermutung ist richtig: Frau L. hat nicht mehr angerufen und wollte auch keine Besuche des Hundes.

Begründung:

Da ich mich an den von Ihnen erwähnten Anruf nicht erinnern kann, habe ich bei unserer Hundetrainerin diesbezüglich nachgefragt. In der Tat ist es so, dass Herr Hanreich am 25. Januar bei Frau Stadler angerufen hat, um zu erfahren, warum der Hund nicht bei Familie L. erscheint. Frau Stadler hat daraufhin sofort bei Renate L. angerufen, um sie nach ihren und Jans Besuchswünschen  zu befragen. Frau L. erklärte daraufhin, dass der gesundheitliche Zustand und die Medikation von Jan einen Besuch des Hundes nicht wünschenswert machen. Außerdem wolle sie ihren Sohn nicht mehr durch die Anwesenheit des Hundes aufregen. Familie L. und auch Jans Betreuer haben nach dem Gespräch am 02. Januar nicht angerufen und keinen Besuchswunsch geäußert.
Ich kann mich allerdings an einen früheren Anruf von Herrn Hanreich erinnern kann, in welchem er Interesse an der Vereinsarbeit geäußert hatte, Ich habe ihn zu einem Gruppentraining eingeladen zu dem er auch erschienen ist. Das war aber bereits im November oder Dezember 2017. Jan war allerdings nicht bei diesem Training anwesend und auch sonst nur ein einziges Mal, weil dies sein Gesundheitszustand nicht erlaubte.

Anmerkung meinerseits

Ich habe gerade mit Renate telefoniert und erfahren, dass Sie diesen Artikel wohl auf Veranlassung eines älteren Kollegen, der auch Jans Schulbetreuer war, schreiben. Vielleicht will dieser Kollege seine Sicht der Dinge über Sie in die Öffentlichkeit bringen. Seine Sicht der Dinge kann er nur und ausschließlich von Renate haben, die vom Schicksal schwer geprüft ist, was möglicherweise ihre Objektivität beeinträchtigt.
Aus dem Kontakt mit mir und den anderen Vereinsmitgliedern wissen Sie, dass wir keine bösen Menschen sind, die einen „armen kranken Jungen um seinen Hund bringen und ihn dadurch in den Tod treiben“.
Wir arbeiten im Verein ehrenamtlich und ohne Bezahlung. Durch die Zweckgebundenheit der Spenden müssen wir alle Spenden, die für Jan eingegangen sind auf Wunsch zurückzahlen. Von den ca. 10000 Euro, die eingegangen sind habe ich bereits über 4000 Euro zurückerstattet. Die anderen Spender haben sich trotz mehrfacher Aufrufe meinerseits nicht gemeldet, und somit auch nicht über die weitere Verwendung verfügt. Da der Verein mit dem Geld nichts anderes anfangen kann und darf, werde ich bei der nächsten Mitgliederversammlung die bedingungslose Rückzahlung des restlichen Geldes beantragen.
Jan war unser Vereinsmitglied, deshalb galt ihm unsere Solidarität im Leben und unsere Trauer nach seinem Tod. Er hatte bereits vor seinem Beitritt Krebs, allerdings mit guter Prognose, weshalb wir mit ihm und seiner Familie einen Assistenzhund für ihn ausbilden wollten. Jan ist am Krebs gestorben, das ist tragisch genug. Er ist nicht am fehlenden Hund gestorben. Bei seinem letzten Treffen mit Maja konnte er kaum mehr mit ihr interagieren.
Wir sind ein kleiner Verein mit knapp über 30 Mitgliedern und bemühen uns redlich das oft schwere Schicksal von Behinderten und chronisch Kranken zu erleichtern. Das haben wir auch bei Jan versucht und haben seine Familie immer mit einbezogen.
Ich denke, dass die Wahrheit in diesem Fall nicht in einen kurzen Artikel passt und ein kurzer reißerischer Abklatsch würde nicht in mein Bild vom Münchner Merkur passen und auch nicht in mein Bild von verantwortlichem Journalismus. So etwas ist bei dem berühmten Vierbuchstabenblättchen besser aufgehoben.
Übrigens, der Assistenzhund Maja ist jetzt bei einem Menschen, der mit einem offenen Rücken geboren wurde und fast blind ist. Ihm wurden drei Lendenwirbel versteift, dadurch sitzt er nun dauerhaft im Rollstuhl. Maja erleichtert das Leben von Dennis erheblich und befördert auch seinen Seelenzustand. Es wäre doch eine Schande, wenn Maja kein Assistenzhund geblieben wäre.

mit freundlichen Grüßen
Dr. Martin Heilingbrunner
1. Vorstand
Assistenz- und Servicehunde in Bayern e. V.

——————————– ENDE der E-Mail ——–